Pilotprojekt UfeR-Vital: Gemeinsam Gewässer revitalisierenÖkologische Aufwertungen an Schutter und Unditz (Ortenaukreis)
Völz
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Verena Völz
Projektleitung UfeR-Vital
0761 208-4271
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Warum wir aktiv werden
Der Bedarf an gewässerökologischen Aufwertungen, sogenannten Revitalisierungen, um Gewässer wieder in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen ist hoch. Allein im Regierungsbezirk Freiburg müssen rund 480 Kilometer an Gewässern revitalisiert werden.
Schutter und Unditz sind zwei dieser Gewässer, die u.a. durch Begradigungen an einigen Abschnitten ihre natürliche Gewässerstruktur verloren haben. Eine gute Gewässerstruktur ist jedoch entscheidend für einen guten ökologischen Zustand, der auch von der EU-Wasserrahmenrichtlinie gefordert wird.
Durch das Pilotprojekt UfeR-Vital ("Unterstützungsprojekt für erforderliche Revitalisierungen") sollen Kommunen in der Planung und Umsetzung von Revitalisierungen unterstützt werden, um einige Bereiche an Schutter und Unditz wieder in einen guten Zustand zu bringen.
Was wir vorhaben
Jede Revitalisierungsmaßnahme wird an die örtlichen Gegebenheiten angepasst. Bevor eine Variante ausgeplant wird, werden Grundlagen ermittelt und verschiedene Varianten geprüft und diskutiert. Dies geschieht in Absprache mit den Kommunen und Eigentümern der Flächen, verschiedenen Fachstellen wie der unteren Wasserbehörde des Landratsamtes Ortenaukreis, der höheren Wasserbehörde und der Fischereibehörde. Der Zweckverband Hochwasserschutz Schuttermündung ist Vorhabensträger der Maßnahmen und damit der Hauptakteur und Entscheidungsträger. Er beauftragt Ingenieurbüros für die Planung und Umsetzung der Maßnahmen und wird durch die UfeR-Vital Projektleiterin des RP Freiburgs in Koordinationsaufgaben mit den Kommunen, den verschiedenen Behörden und weiteren Akteuren unterstützt. Das Gewässerbündnis Baden-Württemberg unterstützt das Pilotprojekt.
Vorteile von Revitalisierungen an Gewässern
Revitalisierungsmaßnahmen verbessern langfristig die Struktur der Gewässer und die Lebensräume für Tiere und Pflanzen im und am Wasser. Dadurch wird die ökologische Qualität der Gewässer deutlich aufgewertet.
Gleichzeitig leisten solche Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung. Naturnah gestaltete Gewässer können Hochwasser und Starkregen besser aufnehmen und abpuffern. Sie sind widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels und helfen, Schäden zu vermeiden. Damit haben Sie auch einen ökonomischen Effekt.
Und schließlich entstehen auch für die Menschen vor Ort Vorteile. Revitalisierte Gewässer schaffen attraktive Räume für die Naherholung und tragen zu einer Aufwertung des Orts- und Landschaftsbildes bei.
Beschreibung der Vorteile im Detail:
Lebensräume für Tiere und Pflanzen im Gewässer
Durch naturnahe Abschnitte entstehen wichtige Lebensräume für Fische, wassergebundene Kleinlebewesen wie Flusskrebse, Muscheln, Insekten, deren Larven sowie für Pflanzen. Das ist sehr wichtig, denn nur wenn es den Lebewesen im Gewässer gut geht, kann der gute ökologische Zustand erreicht werden.
Wie?
Wenn Fläche zur Verfügung steht, kann einem Gewässer die Eigendynamik zurückgegeben werden und durch Bögen im Gewässerlauf (sogenannte Mäander) eine Dynamik erzeugt werden, welche Varianz in Fließgeschwindigkeiten, Gewässerbreite und Wassertiefen erzeugt, die wichtige Lebensräume mit Bereichen mit verschiedenen Anforderungen entstehen lassen.
Steht keine Fläche zur Verfügung werden durch sogenannte Instream-Elemente wie z. B. Wurzelstöcke oder anderem Totholz Strukturen ins Gewässer gesetzt, welche ebenso für Varianz sorgen und zudem Lebensräume für Tiere darstellen.
Biodiversität und Naturschutz - Tiere und Pflanzen im und am Gewässer
Durch die Revitalisierung des Gewässers können seltene und gefährdete Arten, die am Gewässer leben oder den Raum zur Fortpflanzung nutzen, geschützt und ihre Lebensräume erhalten werden. Ein Beispiel hierfür ist der Flussregenpfeifer, ein Vogel, der die selten vorhandenen Kiesbänke als Brut- und Rastplatz benötig.
Grundwasserneubildung
Die Grundwasserneubildung kann durch Revitalisierungen gesteigert werden, indem beispielsweise das Wasser durch verlängerte Flussläufe länger in der Fläche gehalten wird. Auch wenn dem Gewässer mehr Platz gegeben wurde, um sich bei hohen Abflüssen auszudehnen, kann durch die größere benetzte Bodenfläche mehr Wasser versickern und daraus Grundwasser gebildet werden.
Hochwasserschutz
Bei einer Revitalisierung wird den Gewässerabschnitten oft mehr Platz gegeben. So können sie sich bei höheren Abflüssen weiter ausdehnen. Dadurch reduziert sich die Abflussgeschwindigkeit des Wassers und die Überschwemmungsgefahr wird minimiert.
Gleichzeitig puffern Revitalisierungen auch Starkregenereignisse und minimieren so die mit Starkregen verbundenen Schäden, auch durch angelegte Überschwemmungsflächen.
Klimaanpassung (Resilienz) & Niedrigwasser-Management
Revitalisierungen stärken die Anpassungsfähigkeit der Gewässer gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels, indem sie natürliche Prozesse und Biodiversität fördern. Durch Auen und Retentionsräume (Überflutungsflächen) werden Extremereignisse wie Hochwasser gemindert. Auch Trockenperioden und Phasen mit Niedrigwasser können durch den natürlicheren Zustand der Gewässer besser überstanden werden. Zudem sorgen Bäume durch Beschattung für ein besseres Mikroklima und kühlen die Gewässer. Das ist wichtig, denn nur in kühlen Gewässern ist genug Sauerstoff gebunden, damit Fische und andere Organismen darin überleben können.
Landschafts- und Ortsbild
Das Landschafts- und Ortsbild kann durch die Revitalisierung von Gewässern aufgewertet werden, indem die natürliche Schönheit der Gewässer und ihrer Umgebung wiederhergestellt wird.
Ein anschauliches Beispiel ist die Wiederherstellung von naturnahen Uferbereichen, anstelle von Flussverläufen, die durch Betonmauern eingefasst sind.
Naherholung und Aufenthaltsqualität
Revitalisierungen verbessern auch die Naherholung und die Aufenthaltsqualität am Gewässer. Sie ermöglichen häufig erst wieder einen direkten Zugang zum Wasser. Naturnahe und gut erreichbare Uferbereiche laden dazu ein, Zeit am Wasser zu verbringen und stärken den Bezug der Menschen zum Gewässer
Fragen & Anworten zum Projekt UfeR-Vital (FAQ)
Gewässerökologische Aufwertungen werten auch das Landschafts-/ und Ortsbild auf und schaffen somit Bereiche für die Naherholung. Durch eine verbesserte Zugänglichkeit an den Gewässern wird die Aufenthaltsqualität gefördert.
Zudem können naturnahe Gewässerabschnitte die Folgen von Hochwasser und Starkregenereignissen besser puffern und so Schäden minimieren. Durch Schaffung von Retentionsvolumen kann zudem der ökologische Hochwasserschutz verbessert werden. Da naturnahe Gewässer und Uferbereiche das Wasser länger in der Fläche halten, kann mehr Wasser versickern statt abzufließen und es wird so mehr wertvolles Grundwasser neugebildet.
Der Zweckverband Hochwasserschutz Schuttermündung ist Vorhabensträger der Revitalisierungsmaßnahmen des Projekts UfeR-Vital und somit auch Antragsteller für die Wasserrechtliche Genehmigung.
Zu Beginn einer Maßnahme erfolgt die Grundlagenermittlung, in der unter anderem die Machbarkeit der angedachten Maßnahme geprüft wird sowie verschiedene Ausführungsmöglichkeiten (Varianten) der Maßnahme durchdacht und diskutiert werden. Bereits bei diesem Schritt müssen Abstimmungen mit Fachbehörden wie mit der unteren Wasserbehörde, der Fischereibehörde, dem Natur- sowie Bodenschutz getroffen werden.
Wenn die Rahmenbedingungen festgelegt wurden, werden die Varianten fachlich tiefgehend ausgearbeitet. Hierfür müssen Vermessungen und hydraulische Berechnungen durchgeführt sowie erforderliche Naturschutzgutachten Berichte und Monitorings erstellt werden.
Ein detailliertes Planungskonzept wird erarbeitet und alle für die Beantragung der wasserrechtlichen Genehmigung nötigen Unterlagen erstellt. Diese dienen dann der unteren Wasserbehörde (Landratsamt Ortenaukreis) als Entscheidungsgrundlage.
Nach Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung erfolgt die Vergabe der Bauleistungen an Ingenieurbüros. Diese setzen die Maßnahmen in enger Absprache mit dem Maßnahmenträger (Zweckverband Hochwasserschutz Schuttermündung) und den zuständigen Behörden um.
Durch Einzelmaßnahmen werden wichtige Strukturen und damit naturnahe Gewässerabschnitte mit wichtigen Lebensräumen geschaffen. Diese naturnahmen Abschnitte dienen als sogenannte Trittsteine, um Strecken mit weniger Rückzugsmöglichkeiten zu überbrücken und sich weiter ausbreiten und ansiedeln zu können.
Hiervon profitieren nicht nur Fische, sondern auch die vielen wassergebundenen Lebewesen wie z. B. Flusskrebse, Insekten und deren Larven.
Gelungene Maßnahmen können anderen Kommunen/Verbänden vorgestellt werden und dazu animieren, auch Maßnahmen am Gewässer umzusetzen.
Das Pflanzen von Bäumen am Gewässer hilft zwar, um die Beschattung und damit insbesondere die Sommertemperatur des Wassers zu senken, bringt jedoch für die Gewässerstruktur an sich nahezu keine Vorteile. Lediglich direkt an der Wasserlinie gepflanzte Bäume wirken sich durch die ins Wasser ragenden Wurzelstrukturen etwas auf die Struktur im Gewässer aus.
Echte Laufveränderungen durch Bögen (Mäander) bringen hingegen Schwung in die oft begradigten Gewässerstrecken. So erlangt das Gewässer sehr wichtige Variation in Fließgeschwindigkeit, Tiefe und Breite und es entstehen dringend benötigte Lebensräume. Auch verschlammt das Gewässer weniger und Lücken in der Gewässersohle werden freigespült, die einige Fischarten zum Laichen benötigen.
Den größten positiven Effekt haben Maßnahmen, bei denen das Gewässer möglichst viel Raum zur freien Entwicklung erhält. Denn so kann das Gewässer seine Struktur im Laufe der Zeit eigendynamisch verändern und erhalten und gewässertypische Lebensräume entstehen.
Die Landesstudie Gewässerökologie (LSGÖ) hat Maßnahmenbereiche mit besonders hohem Verbesserungspotential an Schutter und Unditz ausgewiesen. Die Maßnahmenbereiche der LSGÖ bilden einen wichtigen Bestandteil bei der Auswahl der Projektbereiche für UfeR-Vital.
Die LSGÖ-Maßnahmenbereiche sind im Übersichtsplan in hellem Gelb als „Maßnahmenbereiche LSGÖ GIIO“ abgebildet.
Das Gewässerbündnis Baden-Württemberg ist ein gemeinsames Projekt von BUND, NABU und dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg und setzt sich für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie ein. Mit einem praxisnahen Beratungsangebot unterstützt das Gewässerbündnis Kommunen und Naturschutzgruppen bei der Entwicklung und Umsetzung von Projekten zur Gewässerrevitalisierung, zum ökologischen Hochwasserschutz und zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, die Kompetenz und das Engagement der Naturschutzgruppen vor Ort in die Projekte einzubinden und Akteure miteinander zu vernetzen. So wird die Akzeptanz für gewässerökologische Maßnahmen gestärkt und es können mehr Projekte realisiert werden – damit Bäche und kleine Flüsse wieder ein natürliches Gewässerbett und lebendige Ufer erhalten.
Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.gewaesserbuendnis-bw.de/
Im Schutter-Unditz Gebiet arbeiten UfeR-Vital und das Gewässerbündnis Baden-Württemberg zusammen und unterstützen sich gegenseitig, da beide Projekte die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie verfolgen. Der Schwerpunkt von UfeR-Vital liegt auf der interkommunalen Zusammenarbeit und der Unterstützung von Kommunen bei gewässerökologischen Revitalisierungen. Das landesweit agierende Gewässerbündnis BW konzentriert sich auf Akzeptanzschaffung sowie die Beratung und Vernetzung von Naturschutzgruppen, um deren Fachkompetenz gezielt einzubinden. Gemeinsam werden alle relevanten Akteure zusammengebracht, um eine möglichst effiziente Zusammenarbeit zu ermöglichen. So wurden beide Projekte in einer gemeinsamen Online-Veranstaltung vorgestellt und auch eine Bepflanzungsaktion an der Schutter gemeinsam geplant und umgesetzt.
Das Land Baden-Württemberg fördert gewässerökologische Aufwertungen mit bis zu 85 Prozent der förderfähigen Kosten, sofern genügend Fördergelder zur Verfügung stehen. Die verbleibenden 15 Prozent der Kosten können als Ökokontopunkte angerechnet werden.
Bei der Förderung wasserwirtschaftlicher Vorhaben ist die Priorisierung der Maßnahmen entscheidend. Die an Schutter und Unditz angedachten Maßnahmen liegen alle in den Programmstrecken Struktur der Landesstudie Gewässerökologie (LSGÖ) und sind damit alle in der höchsten Prioritätsstufe.