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Dammrückverlegung bei Gengenbach-Schwaibach

Fachinformation

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Lukas Hoffmann
Projektleiter
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Sven Nendzynski
Stellvertreter
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Mit dem Vorhaben „Revitalisierung der Kinzig bei Gengenbach Schwaibach“ verbessern wir die ökologische Qualität der Kinzig, schaffen zusätzlichen Raum für die Natur und stärken den Hochwasserschutz durch den Rückhalt in der Fläche. In ausgewählten Abschnitten ermöglichen wir zudem einen besseren Zugang zum Gewässer und erhöhen die Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung. Dabei arbeiten wir eng mit der Stadt Gengenbach zusammen und wollen das lokale Wissen der Bürgerinnen und Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung mit einbeziehen.

Im Projekt nehmen wir unsere Aufgabe als staatliche Mittelbehörde wahr: Wir koordinieren fachlich komplexe Planungen, setzen landes- und europarechtliche Vorgaben – etwa aus der Wasserrahmenrichtlinie – um und bündeln die Zusammenarbeit mit der kommunalen Seite, Planungsbüros und der Öffentlichkeit.

Über das Projekt

Maßnahme

Grundlagenermittlungen wie Geotechnik und Vermessung sind abgeschlossen. Die Planungen zur Revitalisierung der Kinzig bei Gengenbach Schwaibach – einschließlich der Planung zur Verlegung der Gasleitung– haben im Sommer 2025 begonnen. Wir befinden uns derzeit in der Vorplanung. 

Parallel werden im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung die Bevölkerung und örtliche Vereine in den Planungsprozess miteinbezogen. 

Aktuell laufen zudem Umweltfachgutachten und Kartierungen.

Zahlen und Fakten

Maßnahmenbereich: circa 26 ha

Flusskilometer: 32+900 - 35+200

Projektabschnitte:

  • Verlegung Gasleitung
  • Dammrückverlegung, Revitalisierung und Strukturverbesserungsmaßnahme zwischen Schönberg und dem Baierwasendamm

Geschätzte Gesamtbauzeit: über 3 Jahre

Geschätzte Gesamtkosten: derzeit noch nicht genauer bezifferbar

Termine

Am 28.04.2026 fand eine frühe Öffentlichkeitsbeteiligung in Gengenbach Schwaibach statt. 

Über das Projektpostfach drv.kinzig@rpf.bwl.de haben die Bürgerinnen und Bürger noch bis Ende Mai die Möglichkeit Ihre Anregungen und Fragen an die zuständigen Projektleiter zu versenden. 

Präsentation

Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Dammrückverlegung bei Gengenbach Schwaibach

Die Strecke eignet sich aus mehreren Gründen besonders gut: Im Regionalplan ist dieser Bereich schon als Vorranggebiet für den vorbeugenden Hochwasserschutz ausgewiesen.  Nur an sehr wenigen Stellen im dicht besiedelten Kinzigtal ist dies überhaupt noch möglich.  Ortslagen, Straßen, Bahnlinie und andere Infrastruktureinrichtungen schränken die Hochwasserrückhaltemöglichkeit stark ein. Für die ökologische Aufwertung ist die Tatsache wertvoll, dass diese Strecke eine der wenigen sogenannten „Vollwasserstrecken“ ohne Wasserausleitungen ist. 

Derzeit laufen die Vorplanungen. Grundlage ist die zwischen der Stadt und dem Regierungspräsidium abgeschlossene Grundsatzvereinbarung für den Flächentausch. Parallel wurde und wird mit weiteren angrenzenden Grundstückseigentümern gesprochen. Gemeinderat, Ortschaftsrat und die breite Öffentlichkeit werden über die aktuellen Planungsstände informiert.

Nach Auswertung der eingegangenen Anregungen und Hinweise aus der Öffentlichkeit werden die Genehmigungsunterlagen erstellt und beim Landratsamt Ortenaukreis eingereicht.

Erst mit positivem Abschluss des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren, in dem auch eine öffentliche Auslegung und Anhörung erfolgt, kann das Vorhaben realisiert werden. 

Mit einem Baubeginn kann frühestens 2030 gerechnet werden.

Insgesamt wird aktuell eine Fläche von rund 31 Hektar beplant: 20 Hektar sind Landesflächen, nämlich das bisherige Flussbett samt Damm, 11 Hektar befinden sich im Besitz der Stadt Gengenbach. Die städtischen Flächen sollen vollumfänglich und flächengleich mit Landesflächen außerhalb des Maßnahmenbereichs getauscht werden. Hierzu gibt es eine Grundsatzvereinbarung zwischen der Stadt Gengenbach und dem Regierungspräsidium.

Um das Vorhaben sinnvoll zu realisieren reichen die oben genannten Flächen aus. Mit einer Erweiterung auch durch private Flächen könnten die Ziele Hochwasserrückhalt und Gewässerentwicklung noch besser erreicht werden. Daher ist das Regierungspräsidium Freiburg am Erwerb oder Tausch weiterer auch privater Flächen interessiert. 

Das Land ist im Gespräch mit Grundstückseigentümern, um eventuell weitere Flächen zu gewinnen. Mit jedem Grundstück, das hinzukommt oder als Tauschfläche zur Verfügung gestellt wird, kann das Potenzial für Natur und Hochwasserschutz gesteigert werden.

Derzeit läuft die sogenannte Vorplanung, eine sehr frühe Planungsphase. Im weiteren Fortgang wird die Planung fortlaufend angepasst, ergänzt und verfeinert. Dabei fließen Ergebnisse von weiteren Detailuntersuchungen wie z.B. hydraulischen Berechnungen, Umweltplanungen und Grundwasserbetrachtungen etc. ein. Auch die Anregungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung werden ausgewertet. Sollten sich weitere Flächenverfügbarkeiten ergeben, so werden auch diese im Planungsprozess berücksichtigt.

Die Kosten für die Dammertüchtigung trägt das Land.  

Für die Dammrückverlegung kann das Land Fördermittel aus dem bundesweiten Nationalen Hochwasserschutzprogramm von bis zu 60 Prozent erhalten.

Verbesserter Hochwasserschutz

Auftretende Hochwasser werden durch die Aufweitung verlangsamt und in der Fläche zurückgehalten. Durch die Dammrückverlegung werden natürliche Rückhalteflächen wiedergewonnen – noch mehr Wasser kann im Hochwasserfall einströmen und zurückgehalten werden, als es derzeit der Fall ist. Davon profitieren alle Unterlieger, also die Bewohnerinnen und Bewohner im Kinzigtal unterhalb der Maßnahme – Gengenbach ebenso wie Ohlsbach oder weiter stromabwärts gelegene Gemeinden.

Bessere Wasserqualität und Grundwasserschutz

Natürliche Gewässer haben eine hohe Selbstreinigungskraft. Je mehr „Leben“ im Fluss ist, desto besser werden Belastungen abgebaut. Mit den geplanten Strukturverbesserungen werden dafür die notwendigen Lebensräume geschaffen.  Durch die Rückverlegung der Dämme hat die Kinzig die Möglichkeit auch schon bei kleineren Hochwasserereignissen auszuufern und die Flächen zu fluten. Die erhöhte Versickerung trägt zur Stabilisierung des Grundwasserhaushaltes bei. Die belebten Bodenschichten filtern das Wasser. Im Rahmen der Planungen wird dies genauer untersucht, um eine zusätzliche stoffliche Belastung des Grundwassers oder negative Auswirkungen auf die Trinkwassergewinnung auszuschließen.

Mehr Natur und Artenvielfalt

Durch mehr und vielfältigere Gewässerstrukturen werden die Lebensräume und Lebensbedingungen der Gewässerorganismen verbessert. Kleinstlebewesen und Fische profitieren davon und sollen sich durch die Maßnahme in die Richtung der in der Kinzig natürlicherweise vorkommenden Arten entwickeln. Zudem entsteht ein im Kinzigtal wertvoller Lebensraum, der unzähligen seltenen Arten wie z.B. Pirol, Schwarzkehlchen, Flussregenpfeifer, Laubfrosch, Kreuzkröte, Libellen und Heuschrecken, Laufkäfer, um nur einige wenige zu nennen, als Heimat dienen kann. 

Bessere Naherholung

Die Zugänglichkeit zum Fluss wird verbessert, es ergeben sich neue Möglichkeiten, den Fluss zu erleben, beispielsweise mit einem grünen Klassenzimmer. Das Gewässer und sein Umfeld werden wieder erlebbarer. Die Maßnahme wirkt sich insbesondere positiv auf das Landschaftsbild aus.

Wasserhaushalt in Trockenzeiten

Ein Wasserrückhalt bei erhöhten Wasserständen kann später in trockenen Zeiten dafür sorgen, dass ausreichend Wasser in den Böden vorhanden ist und Flächen im Sommer länger grün bleiben.

Hintergründe zum Projekt

Auf Grundlage der 2010 erstellten Studie „Deichrückverlegung zur Rückgewinnung von Retentionsfläche“ wurde Im Jahr 2019 begonnen ein Konzept zur Steigerung des Retentionsvolumens und der Verbesserung der Gewässergüte und Struktur für den Bereich bei Gengenbach zu entwickeln. Ausschlaggebend war die Tatsache, dass die Flächen der Maßnahme bereits als Vorranggebiet für den Hochwasserschutz im Regionalplan verankert waren. 

2024 fasste der Gemeinderat von Gengenbach den Grundsatzbeschluss zur Tauschabsichtserklärung von ca. 11 ha kommunaler Grundstücksflächen mit dem Land. Auf dieser Grundlage startete Ende 2024 das Projekt offiziell mit der Vorbereitung des Vergabeverfahrens für die Planung.
2025 wurde der Auftrag an die Planungsbüros FWT und Tractebel aus Freiburg vergeben. Gefördert wird die Maßnahme über das Nationale Hochwasserschutzprogramm des Bundes.

  • Entwicklung eines naturnahen Gewässers mit neuer Auenlandschaft
  • Schaffung vielfältiger Lebensräume für Pflanzen und Tiere
  • Verbesserung von Gewässergüte und Struktur nach Wasserrahmenrichtlinie
  • Mehr Raum für Hochwasser – für besseren Rückhalt in der Fläche
  • Förderung der Grundwasserneubildung
  • Wiederbelebung natürlicher Geschiebe- und Flussprozesse
  • Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit
  • Aufwertung des Gebiets für Erholung und Naturerlebnis