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Zwischenergebnisse zum Grundwasseranstieg im Raum Rheinau
Regierungspräsidium und WSA informieren Bürgermeister
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Am Montag hat das Regierungspräsidium Freiburg (RP) den Oberbürgermeister der Stadt Kehl, Wolfram Britz, den Amtsverwalter der Stadt Rheinau, Uwe Beck sowie Ortsvorsteherin Annette Fritsch-Acar aus Honau und Ortsvorsteher Jörg Bliß aus Diersheim über den aktuellen Stand der Untersuchungen zu den seit 2017 ansteigenden Grundwasserständen informiert. An dem Gespräch nahmen auch Fachleute des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) Oberrhein sowie des Landratsamts Ortenaukreis teil.
Um den Ursachen für den Grundwasseranstieg auf den Grund zu gehen, hat das RP eine Expertengruppe eingesetzt. Dieser gehören die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), das Landratsamt Ortenaukreis und das WSA Oberrhein an. Zusätzlich hat der Landeserdbebendienst des RP die Gruppe unterstützt.
Über die bisherigen Erkenntnisse der Untersuchungen haben das RP und das WSA bei dem Termin am Montag ausführlich informiert. Dabei wurden die bisher durchgeführten Messkampagnen am Rhein und an den Rheinseitengewässern vorgestellt.
Zentrale Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen sind:
- Kein lokales Phänomen: Im gesamten staugeregelten Abschnitt des Rheins werden vergleichbare Grundwasseranstiege beobachtet – auch auf französischer Seite.
- Alterung der Dämme als Ursache ausgeschlossen: Die Anstiege erfolgten in allen Stauhaltungen zeitgleich und ähnlich, obwohl die Dämme zwischen 1928 und 1977 errichtet wurden. Auch bei der Damminspektion wurden in den vergangenen 20 Jahren keine vermehrten Sickerstellen beobachtet. Die Rheinseitendämme sind stabil und sicher.
- Rhein als wahrscheinliche Quelle: Da sich zwischen 2000 und 2023 unterdurchschnittlich wenig Grundwasser aus Niederschlag neu gebildet hat, geht die Expertengruppe derzeit davon aus, dass der Rhein die Quelle der Grundwasseranstiege ist. Dabei ist es naheliegender, dass das Rheinwasser über die Rheinsohle ins Grundwasser einsickert. Die Zunahme der Abflüsse in den rheinnahen Binnengewässern bestätigt diese Annahme.
- Für eine landseitige Ursache der Grundwasseranstiege gibt es keine Anhaltspunkte.
- Zusammenhang mit Geothermie-Projekt Vendenheim sehr unwahrscheinlich: Die Grundwasseranstiege traten auch an weit entfernten Orten auf, etwa in Kembs (100 Kilometer südlich von Rheinau), und begannen bereits vor dem ersten induzierten Erdbeben im März 2018. Nördlich der Staustufe Iffezheim – nur rund 30 Kilometer von Vendenheim entfernt – wurden hingegen keine Grundwasseranstiege festgestellt.
Um den noch offenen Fragestellungen näher zu kommen, wird das RP im Rahmen eines geplanten Forschungsprojekts die genaueren Zusammenhänge analysieren. Dadurch sollen die maßgeblichen Faktoren für die Grundwasseranstiege detaillierter herausgearbeitet werden. Parallel führt das WSA seine Messungen im Rhein fort.
Die kommunalen Vertreter bedankten sich für den konstruktiven Austausch und regten als nächsten Schritt eine Information der breiten Öffentlichkeit an. Das RP sagte zu, im Herbst – gemeinsam mit dem WSA - vor Ort über den Sachstand zu informieren.
„Natürlich hätten wir heute lieber einen Lösungsvorschlag präsentiert, wie wir die Grundwasserstände wieder verringern können. Den haben wir leider nicht. Da der Anstieg vermutlich infolge natürlicher Prozesse über die Rheinsohle erfolgt, ist eine schnelle Lösung auch nicht absehbar,“ erklärte Manuel Winterhalter, Leiter der Umweltabteilung des RP. „Die derzeitige Stabilisierung der Verhältnisse, wenn auch auf hohem Niveau, lässt uns immerhin hoffen, dass sich das Problem nicht weiter ausweiten wird. Wir bleiben am Thema dran, um die Zusammenhänge noch besser zu verstehen.“
Hintergrund
Im Gebiet um Rheinau sind die Grundwasserstände seit 2017, verstärkt ab Anfang 2018, deutlich angestiegen. An einzelnen Grundwassermessstellen wurden Gesamtanstiege von rund 50 Zentimetern verzeichnet. Betroffen ist nicht nur Rheinau, sondern auch weitere Bereiche innerhalb des staugeregelten Abschnitts des Rheins südlich der Staustufe Iffezheim.
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