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Umweltministerin Thekla Walker informiert sich über Quell-Lebensräume im Biosphärengebiet Schwarzwald
Umweltministerin Thekla Walker informierte sich am Dienstag zusammen mit Regierungsvizepräsident Klemens Ficht über den Quellenschutz.
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Zwischen moosbewachsenen Steinen, unter knorrigen Wurzeln und oft unscheinbar am Rand von Waldwegen entspringen die Quellen des Schwarzwalds. Sie sind kleinräumige, artenreiche und zugleich besonders empfindliche Lebensräume. Im Biosphärengebiet Schwarzwald wurden sie in einem vierjährigen, von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg geförderten Pilotprojekt zusammen mit der Universität Basel systematisch untersucht. Umweltministerin Thekla Walker informierte sich am Dienstag zusammen mit Regierungsvizepräsident Klemens Ficht bei einer naturnahen Waldquelle im Bereich Belchen-Hohtann in Aitern über die Ergebnisse des Projekts und die weiteren Schritte für den Quellenschutz.
„Quellen sind unscheinbare, aber artenreiche und hochsensible Lebensräume. Sie liefern Trinkwasser und sind zugleich wichtige Frühwarnsysteme für die Auswirkungen des Klimawandels“, so Walker bei ihrem Besuch. „Das Quellenprojekt liefert wertvolle Informationen, wie wir diese besonderen Lebensräume langfristig beobachten und sie gezielter schützen können.“
Viele Quellen in naturnahem Zustand
Im Rahmen des Projekts konnten 297 Quellstandorte erfasst und 258 Quellen näher untersucht werden. Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Mehr als drei Viertel der bewerteten Quellen befinden sich strukturell in einem naturnahen oder zumindest bedingt naturnahen Zustand. Gleichzeitig wiesen lediglich 31 Prozent der untersuchten Quellen eine quelltypische oder zumindest bedingt quelltypische Tiergemeinschaft auf. Insgesamt wurden 25 Quellen aufgrund ihres Artenreichtums sowie des Vorkommens von Quellspezialisten und Rote-Liste-Arten als besonders wertvoll eingestuft.
Als besonders artenreich erwies sich das Einzugsgebiet der Kleinen Wiese mit 82 nachgewiesenen Tierarten. Zu den besonderen Quellbewohnern zählen Steinfliegen- und Köcherfliegenlarven, unter denen sich zahlreiche gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten befinden. „Im Rahmen der Untersuchungen haben wir unter anderem eine in der Region als verschollen geglaubte Köcherfliegenart wiedergefunden, Apatania eatoniana“, berichtet Pascal Schweizer vom Umweltbüro Life Science AG aus Basel, der an den Untersuchungen beteiligt war. Auch die Badische Quellschnecke (Bythinella badensis), die weltweit nur im südlichen Schwarzwald vorkommt, wurde in der Mehrzahl der untersuchten Quellen nachgewiesen.
Moderne Methoden im Einsatz
Moderne wissenschaftliche Methoden eröffnen dabei zusätzliche Möglichkeiten für den Quellenschutz. Neben klassischen Untersuchungsmethoden wurde im Projekt die sogenannte Umwelt-DNA (eDNA)-Methode eingesetzt. Dabei können aus Wasserproben genetische Spuren von Organismen erfasst werden. Mit dieser Methode konnten im Projekt 270 Arten nachgewiesen werden – deutlich mehr als bei der rein morphologischen Bestimmung. eDNA soll die klassische Untersuchung künftig ergänzen und bietet großes Potenzial für ein effizientes und langfristiges Monitoring der Biodiversität.
„Das Biosphärengebiet Schwarzwald ist Modellregion für nachhaltige Entwicklung. Dazu gehört auch, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Methoden für den Schutz unserer Natur nutzbar zu machen. Das Quellenprojekt zeigt beispielhaft, wie Naturschutz, Klimaanpassung, Forschung und Monitoring zusammenwirken können“, so Regierungsvizepräsident Klemens Ficht.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der langfristigen Beobachtung der Quellen. In 20 ausgewählten Quellen wurden Temperaturlogger installiert. Sie erfassen kontinuierlich die Wassertemperatur und ermöglichen über einen zusätzlichen Lichtsensor Rückschlüsse auf die Dauer der Schneebedeckung. Veränderungen von Wassertemperatur, Quellschüttung und Quellfauna sollen so künftig frühzeitig erkannt werden.
Langfristige Beobachtung der Quellen
Das Pilotprojekt ist damit ein Anfang und kein Abschluss. Viele Quellen im Biosphärengebiet sind noch nicht untersucht. Die gewonnenen Daten müssen dauerhaft gesichert und weiter ausgewertet werden. Gleichzeitig sollen beeinträchtigte Quellen ökologisch aufgewertet und bei notwendigen Nutzungen – etwa Quellfassungen, Viehtränken oder Wegebaumaßnahmen – möglichst schonende Lösungen umgesetzt werden.
Aus den Projektergebnissen wurde deshalb ein Maßnahmenkatalog entwickelt. Ziel ist es, den Schutz der Quellen mit den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen im Biosphärengebiet zusammenzubringen.
„Quellenschutz ist eine gemeinsame Aufgabe. Wir müssen die empfindlichen Lebensräume schützen und gleichzeitig Lösungen finden, die mit einer nachhaltigen Landnutzung vereinbar sind. Gerade im Klimawandel wird es wichtiger, die Veränderungen der Quellen frühzeitig zu erkennen und auf dieser Grundlage zu handeln“, so Oliver Bechberger, Koordinator des Projekts bei der Geschäftsstelle des Biosphärengebiets Schwarzwald.
Auch die Bevölkerung soll stärker für die Bedeutung der Quellen sensibilisiert werden. Im Rahmen des Projekts wurden 86 Quellen unter Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern erfasst. Zudem wurde über das biosphäreneigene Förderprogramm die Entwicklung eines interaktiven Quellen-Lehrpfads in Bernau unterstützt, der Besucherinnen und Besucher seit 2026 per Smartphone in die verborgene Welt der Quellen führt.
Das Quellenprojekt wurde von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg mit rund 197.000 Euro im Zeitraum 2021 bis Frühjahr 2025 gefördert. Projektträger ist das Biosphärengebiet Schwarzwald. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben von der Universität Basel (Forschungsgruppe Geoökologie) und dem Büro Life Science AG.
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