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Biosphärengebiet Schwarzwald

Gemeinschaftsstall in Wieden (Kreis Lörrach) eingeweiht

Biosphärengebiet Schwarzwald: Das Projekt soll landwirtschaftliche Betriebe entlasten, die wertvolle Landschaftspflege leisten.

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Mit 700.000 Euro Förderung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg hat die Gemeinde Wieden einen gemeinschaftlich nutzbaren Rinderstall errichtet und am Freitag im Beisein von Regierungspräsident Carsten Gabbert und zahlreichen Gästen feierlich eingeweiht. Das vom Biosphärengebiet Schwarzwald seit 2021 begleitete Modellprojekt soll landwirtschaftliche Betriebe entlasten, die wertvolle Landschaftspflege leisten und so die wertvollen Allmendweiden langfristig sichern.

„Nur durch den Erhalt der Weidewirtschaft kann der hohe Naturschutzwert der Allmendweiden im Biosphärengebiet Schwarzwald langfristig gesichert werden“, betonte Regierungspräsident Carsten Gabbert. Denn die Tiere sorgen für die Offenhaltung der artenreichen Bergweiden. Zum Erhalt der Weidewirtschaft gehören auch geeignete Ställe für den Winter. Viele landwirtschaftliche Betriebe im Südschwarzwald werden im Nebenerwerb geführt. Geringe wirtschaftliche Spielräume, hohe Baukosten und schwierige topografische Bedingungen machen es für sie zunehmend schwieriger, moderne und tiergerechte Ställe zu finanzieren. 

Der neue Stall setzt deswegen auf ein gemeinschaftliches Nutzungskonzept: Mehrere Betriebe können die notwendige Infrastruktur nutzen, ohne jeweils allein in einen eigenen Stall investieren zu müssen. Vier landwirtschaftliche Betriebe werden in dem Gebäude bereits in diesem Winter ihre Kühe einstallen, das Gebäude bietet Platz für 50 ausgewachsene Tiere. Die Gemeinde Wieden ist Eigentümerin des Stalls und verpachtet die Stallplätze an Betriebe, die Allmendflächen der Gemeinde bewirtschaften. 

„Gemeinschaftlich getragene Stalllösungen bieten einen zukunftsorientierten Ansatz, um notwendige Investitionen und laufende Kosten zu bündeln und zugleich die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Betriebe zu stärken“, sagte Bürgermeister Michael Fischer. „Der Gemeinschaftsstall sichert die langfristige Beweidung der Allmendflächen und entlastet die landwirtschaftlichen Betriebe der Gemeinde.“ Die Gesamtkosten des Stalls liegen bei knapp über einer Million Euro, 30 Prozent wurden durch die Kommune bereitgestellt.

„Wir freuen uns, mit unserer Förderung ein Modellprojekt zu unterstützen, das für Naturschutz und Landwirtschaft im Südschwarzwald eine gemeinsame Perspektive eröffnet und landwirtschaftliche Betriebe bei der Landschaftspflege ganz konkret unterstützt“, sagt Stephanie Rebsch, Geschäftsführerin der Stiftung Naturschutzfonds.

Von der Projektidee zum fertigen Stall

Die Grundlage für den Neubau entstand 2021 im Projekt „Allmende 2.0“ des Biosphärengebiets Schwarzwald. In Gesprächen mit landwirtschaftlichen Betrieben zeigte sich in Wieden Interesse an einer gemeinschaftlichen Stalllösung. Gemeinsam mit der Gemeinde, den beteiligten Betrieben und Fachleuten wurde ein Konzept entwickelt. Exkursionen zu bestehenden Ställen, Workshops und Abstimmungen mit den zuständigen Behörden begleiteten den Prozess.

In den darauffolgenden Jahren konkretisierte die Gemeinde die Planungen. Die Geschäftsstelle des Biosphärengebiets unterstützte unter anderem bei der Standortsuche, der Abstimmung mit Fachbehörden, der Optimierung der Planung und der Beantragung von Fördergeldern. Ende 2025 wurde die Förderung durch die Stiftung Naturschutzfonds zugesichert. Im Jahr 2026 konnte die Gemeinde den Stall schließlich errichten.

Allmende neu gedacht

Die Allmendweiden – gemeinschaftlich bewirtschaftete Weideflächen – prägt die Kulturlandschaft des Südschwarzwalds seit Jahrhunderten. Sie sind zugleich ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und ein prägendes Element des UNESCO-Biosphärengebiets Schwarzwald. Ihr Erhalt hängt wesentlich davon ab, dass die Flächen weiterhin beweidet werden. Die Beweidung sorgt nicht nur für besonders struktur- und damit artenreiche Flächen, sie ist insbesondere an Steilhängen oft die einzige Möglichkeit, Flächen offenzuhalten.

Der Gemeinschaftsstall in Wieden zeigt, wie sich der traditionelle Gedanke der Allmende auf heutige Herausforderungen übertragen lässt. Die Erfahrungen aus dem Projekt können auch anderen Gemeinden und landwirtschaftlichen Betrieben Impulse geben, gemeinschaftliche Stallkonzepte als Baustein einer zukunftsfähigen Landwirtschaft und Landschaftspflege weiterzuentwickeln.

Bei der Einweihung segnete Pfarrer Helmut Löffler das neue Gebäude. Bauleiter Johannes Rombach führte die Gäste anschließend durch den Stall und erläuterte dessen Funktionsweise. Dabei wurden moderne und arbeitseffiziente Einrichtungen des Gemeinschaftsstalls, wie der Hoflader mit Teleskopausleger und eine teilautonome Entmistung vorgestellt.

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