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Landwirtschaft, Ländlicher Raum und Lebensmittel

Gemeinsam den Weinbau am Kaiserstuhl stärken

Neue Projekte, bessere Vernetzung

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Die derzeit schwierige wirtschaftliche Situation im Weinbau wird in den kommenden Jahren zu einem Rückgang der Weinberge am Kaiserstuhl führen. Zum dritten Mal traf sich kürzlich der vom Regierungspräsidium Freiburg (RP) initiierte Arbeitskreis „Zukunft des Weinbaus am Kaiserstuhl“, um zu diskutieren, wie die Branche unterstützt und die Kulturlandschaft als Hotspot für Artenreichtum und Tourismus erhalten werden kann.  Vorgestellt wurden neue Projekte und Förderprogramme für den Weinbau. 

Der Arbeitskreis repräsentiert mit den Abteilungen Landwirtschaft und Naturschutz des RP, Bürgermeister Benjamin Bohn (Stadt Vogtsburg) stellvertretend für die Gemeinden am Kaiserstuhl, dem Badischen Weinbauverband und dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband, den unteren Landwirtschaftsbehörden, der Dienststelle Flurneuordnung und den Landschaftserhaltungsverbänden der Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sowie dem WBI Freiburg alle wichtigen Vertreter der Weinbaulandschaft am Kaiserstuhl. 

Bürgermeister Bohn berichtete von dem Regionalmanagement-Projekt, das die Gemeinden am Kaiserstuhl gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Damit kann die Region Kaiserstuhl in den kommenden sieben Jahren ein Budget von bis zu 840.000 Euro für die regionale Entwicklung umsetzen. 75 Prozent der Kosten tragen Bund und Land, 25 Prozent die Gemeinden. Im Projekt sollen Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden, wie die Weinbauflächen am Kaiserstuhl künftig zusammengehalten werden können, damit kein Flickenteppich entsteht. Dies soll insbesondere durch einen Tauschprozess im Konsens mit den Winzern gelingen. Die freiwerdenden Weinbergsflächen sollen landwirtschaftlich durch Alternativkulturen genutzt oder naturschutzfachlich aufgewertet werden.

Daneben stehen dem Weinbau in dieser schwierigen Zeit vielfältige Unterstützungsprogramme zur Verfügung, die Yannick Hauenstein, Weinbaureferent am RP, vorstellte. Insbesondere die im kommenden Jahr vom Land geförderte sogenannte Rotationsbrache, bei der Betriebe für die artenreiche Begrünung brachliegender Weinberge gefördert werden, könnte ausstiegswilligen Winzern eine mittelfristige Alternative bieten. Diese ab 2027 angebotene Fördermöglichkeit ist das Ergebnis einer starken Forderung aus dem Berufsstand.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass das unkontrollierte Brachfallen von Weinbergen mit allen Mitteln verhindert werden muss. Werden Weinberge nicht mehr gepflegt, aber auch nicht gerodet, entstehen sogenannte Drieschen. Diese stellen sowohl für den Naturschutz als auch für benachbarte Winzer ein erhebliches Problem dar. Gemeinden können Bewirtschafter zur Rodung ihrer Grundstücke verpflichten. Dabei sind Betreuung und individuelle Lösungen erforderlich, die auch für die Gemeinden einen hohen Aufwand bedeuten. Michael Krumm, Leiter der Landwirtschaftsabteilung am RP, berichtete, dass es zum Beispiel in der Ortenau durch gemeinschaftlich organisierte Rodungsaktionen bereits vielversprechende Beispiele für eine praxisnahe Umsetzung gebe.

Die Landschaftserhaltungsverbände der Landkreise Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald konnten zudem die Zusage für zwei Projekte zur naturschutzfachlichen Aufwertung freiwerdender Rebflächen verkünden. So kann beispielsweise durch die Umwandlung in hochwertige Magerwiesen der Artenschutz am Kaiserstuhl gestärkt werden.

Besonders interessant war der Blick in andere Regionen. Jule Volk vom DLR Mosel stellte die dortige Flächenbörse vor, eine Tausch- und Kaufplattform für Weinberge an der Mosel. Steffi Kahleyß, Steillagenbeauftragte des Landkreises Ludwigsburg, berichtete über die Erfolge des Regionalmanagements „Neckarschleifen“, das insbesondere die touristische Nutzung des Steillagenweinbaus am Neckar stärken konnte.

Zum Abschluss waren sich die Vertreterinnen und Vertreter einig, den Fokus künftig nicht nur auf die Region Kaiserstuhl zu legen. Es wurde beschlossen, den Arbeitskreis zu einer Austauschplattform für Projekte rund um den Weinbau im gesamten Regierungsbezirk Freiburg weiterzuentwickeln. Der Erhalt des Weinbaus und seiner prägenden Landschaft kann nur gelingen, wenn sich Weinbau, Verwaltung und Bevölkerung gemeinsam einsetzen. Der Arbeitskreis soll künftig Projekte vernetzen, Raum für Erfahrungsaustausch bieten und die gegenseitige Unterstützung fördern.

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