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Anstieg der Grundwasserstände im Raum Rheinau

Im Gebiet um Rheinau sind die Grundwasserstände seit 2017, vor allem ab Anfang 2018 angestiegen, was sich insbesondere durch nasse Keller bemerkbar machte. Es gibt einzelne Grundwassermessstellen, die in den letzten Jahren Gesamtanstiege von rund 50 Zentimeter aufweisen. Betroffen ist nicht nur Rheinau, sondern auch andere Bereiche innerhalb des staugeregelten Bereichs des Rheins südlich der Staustufe Iffezheim.

Expertengruppe eingesetzt

Um die Ursache für diesen Grundwasseranstieg zu untersuchen, wurde unter Federführung des Regierungspräsidiums Freiburg eine Expertengruppe eingesetzt. Dieser gehören auch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), das Landratsamt Ortenaukreis und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein an. Zudem hat der Landeserdbebendienst (LED) des Regierungspräsidiums Freiburg die Gruppe unterstützt. Insbesondere hat der LED die durch das Tiefe Geothermie-Projekt Vendenheim (Frankreich) induzierten Erdbeben betrachtet. 

Zentrale Zwischenergebnisse
  • Der Anstieg des Grundwassers ist kein lokales Phänomen. Die großräumigen Untersuchungen haben gezeigt, dass im gesamten Abschnitt des regulierten Rheins vergleichbare Grundwasseranstiege beobachtet werden.
     
  • Ein Zusammenhang mit dem Integrierten Rheinprogramm zum Hochwasserschutz am Oberrhein kann ausgeschlossen werden. Die im betroffenen Gebiet geplanten Maßnahmen zur Umsetzung des Integrierten Rheinprogramms durch den Hochwasserrückhalteraum Freistett/Rheinau/Kehl werden im Untersuchungsgebiet noch gar nicht umgesetzt. Zudem treten auch auf französischer Seite Grundwasseranstiege nahe des staugeregelten Rheins auf.
     
  • Ein ursächlicher Zusammenhang mit dem Tiefe-Geothermie Projekt in Vendenheim ist sehr unwahrscheinlich.
    • Räumlich: Die Grundwasseranstiege traten auch an Orten auf, an denen die Intensitäten der induzierten Erdbeben als Ursache für Schäden nicht mehr in Frage kommen, beispielsweise in Kembs, das 100 Kilometer südlich von Rheinau liegt. Nördlich der Staustufe Iffezheim – der letzten Staustufe flussabwärts, nur rund 30 Kilometer von den Vendenheim-Erdbeben entfernt – konnten hingegen keine Grundwasseranstiege festgestellt werden.
       
    • Zeitlich: Die Grundwasseranstiege in Rheinau haben bereits vor dem ersten induzierten Erdbeben bei Vendenheim (März 2018) begonnen.
       
  • Da sich zwischen 2000-2023 unterdurchschnittlich wenig Grundwasser aus Niederschlag neu gebildet hat, gehen wir derzeit davon aus, dass der Rhein die Quelle der Grundwasseranstiege ist. Am wahrscheinlichsten erscheint aktuell, dass das Wasser aus dem Rhein ins Grundwasser sickert. 
    Die genaue Ursache hierfür konnte von der Expertengruppe noch nicht ermittelt werden. Bei der Damminspektion und Dammbeobachtung sind in den vergangenen 20 Jahren keine vermehrten Sickerstellen bzw. ist kein vermehrter Sickerwasseranfall an den Dämmen beobachtet worden. Auch die Alterung der Dämme ist als Hauptursache nicht wahrscheinlich, da die Anstiege der Grundwasserstände in allen Stauhaltungen zeitgleich und ähnlich erfolgten, die Dämme aber zwischen 1928 und 1977 gebaut wurden.
Ausblick

Weitere Messungen und Analysen sind notwendig, um belastbare Zusammenhänge herzustellen.  Eine Bewertung möglicher Abhilfemaßnahmen kann erst auf Grundlage genauerer Erkenntnisse erfolgen. Die Expertengruppe wird über neue Erkenntnisse informieren.