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Umwelt, Naturschutz und Hochwasserschutz

Schlutentest im Hochwasserrückhalteraum Breisach/Burkheim startet

Test soll Auswirkungen der Durchströmung auf die Natur untersuchen

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Im Rahmen des Integrierten Rheinprogramms des Landes Baden-Württemberg hat das Regierungspräsidium Freiburg (RP) am 1. Dezember den sogenannten Schlutentest im künftigen Hochwasserrückhalteraum Breisach/Burkheim gestartet. Der Test soll die Auswirkungen der Durchströmung ausgewählter Schluten auf die Natur untersuchen. Schluten sind ehemalige Seitenarme des Rheins, die an das Gewässersystem des Rückhalteraums angeschlossen und nur bei höheren Abflüssen des Rheins durchflossen werden.

Bei einem Vor-Ort-Termin am Montagmorgen erläuterte Harald Klumpp, Leiter des Referats für das Integrierte Rheinprogramm beim RP, im Beisein der Bürgermeister Oliver Rein (Breisach), Benjamin Bohn (Vogtsburg) und Nikolas Kopp (Sasbach) sowie von Vertretern der Bürgerinitiative für eine verträgliche Retention Breisach/Burkheim e.V. den Schlutentest und die Ergebnisse der Erstaufnahme des ökologischen Untersuchungsprogramms. 

Für den Rückhalteraum wurden ökologische Flutungen vom Land beantragt und vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald genehmigt. Diese regelmäßigen Flutungen dienen dazu, die Natur an das Wasser anzupassen und damit Schäden an Tieren und Pflanzen im Hochwasserfall langfristig zu vermeiden. Der so genannte Schlutentest ist Bestandteil einer Kooperationsvereinbarung mit den Gemeinden. Er soll während der verbleibenden Bauzeit des Rückhalteraums in den kommenden fünf Jahren stattfinden. Ziel ist es herauszufinden, ob die alleinige Durchströmung von Schluten entgegen den Erfahrungen des Landes die gleiche Wirkung auf den Naturraum wie ökologische Flutungen entfalten kann.

„In enger Abstimmung mit den betroffenen Kommunen und der Bürgerinitiative haben wir eine gemeinsam getragene Basis für den nun anstehenden Schlutentest geschaffen. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch den Test die Akzeptanz des Rückhalteraums und seines künftigen Betriebs in der Region weiter verbessern können“, erklärte Harald Klumpp und bedankte sich bei den Partnern für die Unterstützung bei den bisherigen Bauarbeiten.

„Der Schlutentest zeigt, dass wir mit dem Land beim Bau des Hochwasserrückhalteraums kritisch aber konstruktiv zusammenarbeiten. Das Ziel, nämlich den Schutz der Rheinunterlieger vor Hochwasser, tragen wir mit. Dies soll für uns aber so raumverträglich wie möglich umgesetzt werden“, sagte Breisachs Bürgermeister Oliver Rein stellvertretend für alle beteiligten Bürgermeister. 

Seit dem Spatenstich für den Rückhalteraum im Jahr 2021 wurden alle erforderlichen Voraussetzungen für den Schlutentest geschaffen. So wurde ein kleines Einlassbauwerk gebaut, Schluten wurden an das Gewässersystem angebunden und Schutzmaßnahmen gegen ansteigendes Grundwasser umgesetzt. Alle Anlagen sind nun einsatzbereit. Wenn der Rhein einen Abfluss von mehr als 1550 Kubikmeter pro Sekunde bringt, dann kann Wasser in die Schluten geleitet werden.

Ökologisches Untersuchungsprogramm

Das begleitende ökologische Untersuchungsprogramm wurde in enger Abstimmung zwischen dem vom Land beauftragten Gutachterbüro und einem von den Gemeinden bestellten Sachverständigen abgestimmt. Um herauszufinden, wie sich die Durchströmung der Schluten auf die Natur auswirkt, werden jährlich auf bis zu zwölf verschiedenen Probeflächen die drei Artengruppen Laufkäfer, Schnecken und Regenwürmer erhoben. Diese Lebensgemeinschaften des oberflächennahen Bodens reagieren auf Flutungen deutlich und zeitnah. Wo auenzugehörige Arten gefunden werden, zeigt die Entwicklung in die richtige Richtung. 

Die Ergebnisse der Ersterfassung der Arten aus den Jahren 2022 und 2023 zeigen, dass die Probeflächen ein repräsentatives Bild der Standortverhältnisse im Rückhalteraum liefern. Seit 1961 ist der Bereich von natürlichen Überflutungen des Rheins abgeschnitten. So wurden bei den drei Indikatoren weitestgehend keine Arten festgestellt, die über Verhaltensweisen und Anpassungen an das Überflutungsgeschehen in der Rheinaue verfügen. Auentypische oder auengebundene Arten waren selten zu finden oder fehlten ganz. 

Die Ergebnisse hat das RP den Gemeinden und der Bürgerinitiative bereits vorgestellt. Es besteht Einvernehmen darüber, dass mit diesen Erhebungen eine gute Grundlage für künftige Untersuchungen im weiteren Verlauf des Schluten-Monitorings vorliegt. 

Untersuchungsziel und Bewertung der Ergebnisse

Dem Schlutentest liegt die Annahme der Kommunen und der BI zugrunde, dass durch die Durchströmung von Schluten eine pulsierende Bewegung zwischen Schluten und Grundwasser entsteht, so dass auch auf gewässerfernen Probeflächen die gewünschte Entwicklung zu auentypischen Lebensgemeinschaften eintritt. Die Probestellen befinden sich deshalb in unterschiedlicher Entfernung zu den Schluten des zukünftigen Rückhalteraums. So kann ein Vergleich der Entwicklung von schlutennahen und -fernen Standorten gezogen werden. Finden solche Prozesse auf gewässerfernen Probeflächen nicht statt, wirkt die jeweilige Flutung nicht ausreichend auf die durch das Vorhaben betroffenen Lebensgemeinschaften.

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